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Förderung der Selbstregulation durch Stabfechten

Dr. Sabine Kubesch

Die Fähigkeit, das eigene Denken bzw. die Aufmerksamkeit und das Verhalten sowie die eigenen Emotionen gezielt steuern zu können, ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg in der Schule und im Leben. Dieser Fähigkeit zur Selbstregulation liegen die sogenannten exekutiven Funktionen im Stirnhirn zugrunde. Exekutive Funktionen können in spielerischer Form durch körperliches und kognitives Training gefördert werden. Es liegt also nahe, dass auch Stabfechten förderlich für die Entwicklung dieser wichtigen Gehirnfunktionen und der Selbstregulation ist. Das Institut für Stabfechten im Interview mit Dr. Sabine Kubesch, INSTITUT BILDUNG plus, die sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit den exekutiven Funktionen befasst.

 

Wann entwickelt man Selbstregulationsfähigkeit?
Kognitive Funktionen, welche die Fähigkeit zur Selbstregulation beeinflussen, werden im Wesentlichen dem Stirnhirn zugeordnet. Wir sprechen hier auch von den sogenannten exekutiven Funktionen. Das Stirnhirn ist der Bereich im Gehirn, der sich am langsamsten entwickelt. Erst mit etwa 25 Jahren ist das Stirnhirn vollständig ausgereift. Mit der Entwicklung des Stirnhirns entwickeln sich auch zunehmend die exekutiven Funktionen und damit auch die Fähigkeit zur Selbstregulation.
Der präfrontale Kortex ist aber nicht nur die am langsamsten entwickelte Gehirnstruktur, sie ist auch die Struktur, die am sensibelsten auf Stress reagiert. Unter Angst und Druck fällt die Selbstkontrolle deshalb häufig besonders schwer - und dies altersunabhängig.


Was für Auswirkungen hat Stabfechten auf die Selbstregulationsfähigkeit? Oder anders ausgedrückt: kann Stabfechten die Selbstregulation fördern?

Nun liegen uns zum Stabfechten noch keine Studienergebnisse vor. Wir wissen aber, dass man Selbstregulation erlernt, in dem man Selbstregulation immer und immer wieder übt. Stabfechten erfordert im hohen Maße Aufmerksamkeit, die zwischen der eigenen Person, dem eigenen Stab und dem Stab des Mitspielers wechselt. Man muss flexibel auf die Aktionen des Gegenübers reagieren können und dies in gemäßigter Form, ohne sich und den Gegner dabei zu verletzen. Dabei gilt es aus 13 möglichen Hieben und Stichen, die richtige Aktion auszuwählen. Dazu setzt man das Arbeitsgedächtnis ein. Aufmerksamkeit, Flexibilität, Impulskontrolle und Arbeitsgedächtnis. Das sind alles Fähigkeiten, die zur Schulung der Selbstregulation beitragen.

 
Die Beinarbeit im Stabfechten hat etwas tänzerisches, noch dazu kommt die Armarbeit und das Fremdelement Stab, der als Verlängerung des Armes dient. Aus diesem Grund ist Stabfechten auch eine Schulung der Koordinationsfähigkeit. Koordinative Übungen wirken sich positiv auf die exekutiven Funktionen aus. Das gilt insbesondere, wenn Bewegungsabläufe noch nicht automatisiert ablaufen.

 

Kannst du anhand dieser Punkte näher erläutern was für selbstregulative Prozesse stattfinden und was es uns bringt? Ich fasse es gerne noch einmal zusammen: Das Stabfechten trainiert die exekutiven Funktionen wie das Arbeitsgedächtnis, die Impuls- und Aufmerksamkeitskontrolle. Diese Gehirnfunktionen unterliegen der Fähigkeit zur Selbstregulation und stehen in einem engen und positiven Zusammenhang mit der Lernleistung.

 

Nach meiner Erfahrung mit Kindern ist die volle Koordination ab 12 Jahren gegeben, manchmal auch schon früher. Welche Fähigkeiten kann ein jugendlicher, heranwachsender Mensch aus dem Stabfechten ziehen? Es gibt eine 10.000 Stunden-Regel, die besagt, dass es so viele Übungsstunden erfordert, um Bewegungsabläufe zu perfektionieren. Je früher aber die Kinder eine Sportart erlernen, desto besser werden sie sie beherrschen. Denn die Lerngeschwindigkeit bzw. die Neuroplastizität geht im zweiten Lebensjahrzehnt deutlich zurück. Natürlich spielen aber auch noch andere Faktoren eine Rolle, wie Talent, Motivation und Selbstregulation, die man etwas altmodisch auch als Willensstärke bezeichnen kann. Was die Kinder beim Stabfechten also zudem Lernen können, ist Selbstwirksamkeit d.h. sie lernen, „ich kann es“, sie lernen, „wenn ich mir Mühe gebe, werde ich besser“. Wenn man trainiert, lernt man und allmählich beherrscht man einen Bewegungsablauf, den man vorher noch nicht konnte und das macht unmittelbar Freude und bedeutet Erfolg. Auf diese Weise lernen Kinder und Jugendliche also, das Lernen Freude macht und zum Erfolg führt.

 
Nun ist Stabfechten kein Mannschaftssport, sondern eher was neu-altes, das in der Interaktion zu zweit den Körper und den Geist schult. Welche Chancen siehst du z.B. für Ganztagsschulen, wenn diese Stabfechten mit integrieren würden? Studien zeigen, dass gerade Sportarten wie Thai Chi und Teakwondo aber auch Yoga exekutive Funktionen und Selbstregulation fördern. Und hier ist auch das Stabfechten einzuordnen. Deshalb ist Stabfechten als Ganztagsschulangebot sehr zu empfehlen.

 

Die Erfahrung zeigt nicht nur bei jungen Menschen, sondern auch bei Erwachsenen, dass Stabfechten viel Freude macht. Welche Wichtigkeit hat Spaß, Freude im Zusammenhang mit Lernen? Freude und Spaß sind wichtige Faktoren für den Lernerfolg. Mit positiven Emotionen gelingt Lernen leichter. Das wissen wir aus einer großen Zahl an Studien.

 

Gibt es Überträge vom Stabfechten, die wir auf das eigene Leben, den Alltag machen können? Da das Stirnhirn nicht Fakten lernt, sondern allgemeine Regeln, ist davon auszugehen, dass man die selbstregulatorischen Fähigkeiten, die man beim Stabfechten erlernt, auch auf andere alltägliche Lebensbereiche und Lernsituationen übertragen kann.

 

Vielen Dank Sabine für das Interview

 

Mehr Informationen über Selbstregulation und das INSTITUT BILDUNGPLUS unter: www.bildungplus.org

von Arne Schneider
Mark Twain, amerikanischer Schriftsteller und Humorist

Menschen mit einer neuen Idee gelten so lange als Spinner,
bis sich die Sache durchgesetzt hat.

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